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"Da wir eine Luxusmarke sind ist der Stil des Hauses ein besonderer Kaufgrund für unsere Kunden"
Dateiname: mercedes-design-workshop-interview-wagener-ots.mp3
Dateigröße: 9,04 MB
Länge: 07:53 Minuten

Stuttgart (ots) – Exklusiv-Interview mit Daimler-Chefdesigner Gorden Wagener beim internationalen Presse-Workshop im Mercedes-Benz Designzentrum in Sindelfingen EXKLUSIV-INTERVIEW

Anmoderation:

Für Designer muss gutes Design zugleich “hot” und “cool” sein. Das ist eine wichtige Erkenntnis, die Automobiljournalisten aus der ganzen Welt dieser Tage aus Sindelfingen mitgenommen haben. Einen Tag lang bekamen sie Einblick in den vermutlich geheimsten Bereich eines Automobilunternehmens. Um den betreten zu können wurden Handy-Cams abgeklebt, Laptop-Kameras ebenfalls, damit keinerlei Bilder aus dem Design-Center von Mercedes-Benz nach außen gelangen konnten. Statt Fotos gab es von Mercedes-Design-Chef Gorden Wagener und seinen Kollegen dafür jede Menge handfeste Informationen. Wie entsteht das Design eines Mercedes? Was beeinflusst die Philosophie? Welche einzelnen Schritte sind nötig, um von einer Skizze zum fertigen Modell zu gelangen? Dass das Design große Bedeutung für die Kaufentscheidung beim Auto hat, wurde erst vor wenigen Tagen in einer großen Studie bestätigt. Entsprechenden Stellenwert wird darauf bei Mercedes-Benz gelegt. Als Gorden Wagener im November letzten Jahres die Funktion des Chief Design Officer der Daimler AG übertragen wurde, sagte Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche: “Gutes Design vereint Funktion mit Faszination und gibt Markenwerten eine unverwechselbare Form. Der weltweite Absatzerfolg unserer Fahrzeuge basiert letztendlich auch auf ihrem herausragenden Design.” Wir haben uns beim Workshop mit Gorden Wagener unterhalten:

1. Frage: Herr Wagener, wie wichtig ist das Thema “Design” für Mercedes-Benz?

Das Thema Design ist sehr wichtig bei Mercedes-Benz. Vor allem weil wir eine Luxusmarke sind, ist natürlich der Stil des Hauses ein besonderer Kaufaspekt für unsere Kunden. Wir sind eine Marke des modernen Luxus und ich möchte behaupten, wir sind gerade führend, mit dem was wir im Design machen. (0:17)

2. Frage: In Ihrer Design-Philosophie fällt immer wieder das Stichwort “sinnliche Klarheit”. Was verstehen Sie darunter?

Ja das sind die zwei Pole der DNA, also sozusagen des Gen-Pools unseres Unternehmens. Sogar wenn man soweit zurückschaut zu Gottlieb Daimler und Carl Benz – da hatten wir eine sehr emotionale Firma mit Mercedes und eine sehr intelligente mit Benz, die sich dann 1926 vereint haben. Und seitdem ist es das, was Mercedes-Benz ausmacht, unsere Identität. Wir inszenieren das über sinnliche Klarheit, also Sinnlichkeit und Schönheit auf der einen Seite. Sex-Appeal wenn man so will. Das ist das, was uns gerade so erfolgreich macht, dass unsere Autos so schön im Sinne eines menschlichen Schönheitsideals sind. Und auf der anderen Seite sind sie sehr klar, sehr modern und sehr Hightech. Es sind genau diese Gegensätze, die unsere Philosophie ausmacht. Die Autos sind hot and cool: Schön, sinnlich, begehrenswert. Und eben cool: neu, unerwartet und auch super technisch. (1:03)

3. Frage: In Ihrem Design-Bereich sind 600 Mitarbeiter beschäftigt. Aber die befassen sich nicht nur mit dem Design von Pkw…

Daimler ist ja auch größter Nutzfahrzeughersteller mit allen Marken, die wir hier haben: Mercedes-Trucks, Freightliner Western Star in den USA, Fuso Trucks of Asia zu denen auch Bharat-Benz gehört. Von daher haben wir auch ein großes Designer-Netzwerk mit unseren weltweiten Studios genau in diesen Märkten. Und dann haben wir noch die Vans mit einer tollen V-Klasse – der erfolgreichste Van in diesem Segment – dem erfolgreichen Sprinter und neuerdings dem Pickup. Also das ist ein tolles Portfolio mit unterschiedlichen Produkten, die wir sehr anspruchsvoll nach allen Kriterien durchgestalten. Und gerade die Faktoren “vernetzt”, “autonom” und “elektrisch” sind im Nutzfahrzeugbereich vielleicht noch progressiver als im Pkw-Bereich. Und von daher ist es eine spannende Sache, das ganze Spektrum all der Möglichkeiten zu haben. (1:11)

4. Frage: Design ist vielleicht das entschiedenste Kriterium für den Kauf eines Autos, wie aber verhält es sich beim Lkw?

Design ist nach allen Marktforschungsuntersuchungen der wichtigste Kaufgrund für die Kunden. Das gilt generell, und bei Luxusmarken natürlich nochmal viel mehr. Bei den Nutzfahrzeugen spielen für die Spediteure natürlich viele rationale Gründe im Vordergrund. Allerdings wandelt sich die Welt gerade, man hat es bei den letzten Studien gesehen, die wir bei der Nutzfahrzeug-IAA gezeigt haben, dass wir genau die Design-Sprache aus dem Pkw-Bereich in die Nutzfahrzeugwelt übertragen. Das ist im Grunde das erste Mal, dass so etwas passiert, das zeigt auch, welcher Anspruch jetzt auch in die Commercial-Welt kommt. Und natürlich wollen wir auch da weiter führend bleiben und auch durch Design die Sache voran bringen. Und gutes Design ist ja nicht nur, wie es aussieht, sondern natürlich auch wie es funktioniert, wie die Konzepte sind, wie alles vernetzt ist. Design heute ist ja ein 360 Grad-Begriff, der weit über Fahrzeuggestaltung hinausgeht. (1:15)

5. Frage: Sie verantworten in Ihrem Bereich auch “Mercedes-Benz Style” und haben eine Yacht entworfen. Was unterscheidet “Ihre” Yacht von anderen Luxusyachten?

Mercedes-Benz Style haben wir ins Leben gerufen, um uns holistisch 360 Grad als Luxusfirma zu positionieren und eine komplette Welt eines modernen Luxus zu schaffen. Mit Helikopter, mit Boot, mit Möbeln, mit Accessoires – aber immer nur ausgewählten Luxusgegenständen. Und in dem Zuge ist auch die Mercedes-Benz Style Yacht von Silver Arrows Marines entstanden. Ein sehr revolutionäres, radikales Bootsdesign. Zum ersten Mal hat jemand, also wir, eine automotive Designsprache auf ein Boot übertragen, was das Boot extrem futuristisch aussehen lässt. Sehr einzigartig, es ist wirklich ein Silberpfeil der Meere. Und es gibt ja im Design immer so disruptive Momente. Unsere Yacht ist da mit Sicherheit ein weiterer Meilenstein. (0:56)

6. Frage: Herr Wagener, worin besteht die größte Herausforderung, wenn Sie ein neues Modell entwickeln?

Wenn wir anfangen, dann machen wir nicht nur ein Modell, sondern es sind immer Fahrzeugarchitekturen, die wir zunächst definieren. Zunächst muss man das Haus richtig bauen. Diese Architekturen gehen sehr weit in Richtung Zukunft, hier gehen wir weit über das Jahr 2030 hinaus. Wir müssen sicherstellen, dass die Architekturen alle Varianten abbilden können und dass alles perfekt am richtigen Platz ist. Proportionen sind das Wichtigste im Design, gerade wenn man Sachen herausnehmen will. Wir sagen immer: “If you like it, take a line off. If you still like it, take another line off”. Es ist für uns der anspruchsvollere Ansatz das zu tun. Es ist auch schwieriger, aber dafür muss die Proportion perfekt sein, die uns erlaubt ein Auto ohne jegliche Linien zu machen, wie zum Beispiel bei unserem neuen E-Klasse Coupé, das wir gerade präsentiert haben. (0:45)

7. Frage: Sie haben gerade betont, dass sie beim Design bis ins Jahr 2030 vorausdenken. Wie schaffen Sie das?

Als Designer lebt man in der Zukunft. Wenn man hier in unsere heiligen Hallen, die sehr verschlossen sind, rein kommt, dann muss man seine Uhr mindesten fünf bis zehn Jahre vordrehen. Bei normalen Produktionsautos sind wir fünf Jahre vor dem Markt, bei Studien zehn und bei Architekturen 15 Jahre. Von daher ist die Zukunft unser Geschäft. Wir sind hier wirklich in einer anderen Zeitzone, wir leben den Geschmack des Marktes vorweg und probieren ihn aus. Natürlich muss man auch visionär sein, muss tolle Ideen haben und muss sich auch ständig hinterfragen, weil wir keine Glaskugel haben, aber wir können schon die Zukunft mitgestalten. (0:37)

8. Frage: Wie beeinflussen neue Trends, wie das autonome oder elektrische Fahren ihre Designphilosophie?

Die Faktoren autonomes und elektrisches Fahren werden das Auto in den nächsten 15 Jahren mehr ändern, als in den letzten 50. Wie sehr, haben wir mit unserer Studie “F015 – Luxury in Motion” gezeigt, die wir vor zwei Jahren in Las Vegas präsentiert haben. Dort hat ein elektrischer Drivetrain ein ganz anderes Fahrzeug-Layout ermöglicht, dass man die Räder an die Ecken schiebt um viel Platz für die Batterien und den Livingspace zu haben. Ein Auto, das elektrisch, autonom durch die Gegend fährt, kann der berühmte “Dritte Platz- der Third Place” sein, also nicht zu Hause und nicht bei der Arbeit, sondern, wenn das Auto autonom fährt, dass ich dort die Zeit als Wohnraum, Office oder als Lounge nutzen kann. Das war schon ein sehr radikaler Ansatz, der für uns den Endpunkt des autonomen, elektrischen Fahrens darstellt. Mal schauen wann wir da sind, damals haben wir gesagt im Jahr 2030. (0:57)

9. Frage: Wie mutig dürfen Sie als Designer und Teil einer ganz großen Entwicklungsabteilung sein?

Als Chefdesigner von Daimler verstehe ich mich natürlich als Innovator im Unternehmen, das ist unser Selbstverständnis als Designer. Wir kommen mit großen Innovationen, von neuen Fahrzeugideen, bis hin zu kleinsten und digitalen Innovationen. Innovation ist unser Geschäft. (0:19)

10. Frage: Herr Wagener, was treibt Sie persönlich an, wo bekommen Sie ihre Inspiration her?

Inspiration ist überall, sie ist auch in diesem Büro am Schreibtisch, sie ist aber auch auf der ganzen Welt. Es ist wichtig viel rum zu kommen, in Asien und den USA viele neue Einflüsse zu sammeln. Das Schlimmste ist, wenn man vor dem Designobjekt steht und steht und steht und nicht weg geht, dann verliert man seine Distanz und seine Kritikfähigkeit und man sieht die Fehler auch nicht mehr. Deshalb ist es wichtig irgendwo hinzugehen. Dafür haben wir dieses globale Netzwerk an Studios in Truck und Pkw. Das wichtigste ist, dass man in Bewegung bleibt. (0:32)

Abmoderation

Daimler-Chefdesigner Gorden Wagener im Exklusiv-Interview. Er hat Autojournalisten aus der ganzen Welt einen Tag lang im Mercedes-Benz Designzentrum in Sindelfingen die Möglichkeit gegeben, hautnah zu erleben, wie exklusives Design einer Luxusmarke entsteht. Höhepunkt war die Präsentation der Skulptur “Aesthetcs A”, die einen Ausblick auf das Design der zukünftigen Kompaktklasse gibt.

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Quelle: presseportal.de