Audi Trendforscher über die Zukunft

„Die Zukunft, in die wir gehen, fällt nicht vom Himmel. Sie entsteht durch unser tägliches Handeln.“, sagt Andreas Meinheit, Trendforscher bei Audi. Zusammen mit Babara Wege versucht er, schon heute ein Bild der Zukunft der nächsten Jahrzehnte zu skizzieren.

Andreas, bist du eigentlich ein Trendsetter?

Andreas Meinheit: Ich denke schon (lacht). In der Trendforschung fragen wir immer: Wer kann uns etwas über die Zukunft erzählen? Die so genannten Trendreceiver sind Menschen, die sich in die Zukunft hineinversetzen und klare Vorstellungen davon entwickeln können, was sie für sich zukünftig erwarten. Da gehöre ich schon dazu. Ich habe eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie ich in zehn Jahren leben möchte.

Wie denn?

Andreas Meinheit: Im Grünen. Ohne eigenes Auto und ohne festes Büro.

Widerspricht das nicht dem Trend der Urbanisierung, von dem alle sprechen?

Andreas Meinheit: Überhaupt nicht! Die Urbanisierung wird einfach grüner. Ich möchte in der Stadt wohnen, aber nicht im Verkehr. Also Autos ja, Verkehr ja, aber platzsparend. Wo heute Parkplätze sind, wird grüner Lebensraum entstehen.

Barbara, kannst du als Trend-Kommunikatorin auch die Zukunft antizipieren?

Barbara Wege: Ich versuche jedenfalls, ein gutes Gespür dafür zu entwickeln, wie Menschen leben, was sie antreibt, wie sich das verändert. Und ich finde es wichtig, dass wir uns immer wieder auch fragen, in welcher Gesellschaft wir denn leben wollen. Die Zukunft ist ja nichts, das einfach mit uns passiert. Wir als Gesellschaft können und sollten die Zukunft aktiv gestalten.

Audi Trendforscher über die Zukunft

„Es ist immer wieder wichtig zu fragen: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Mit diesem Ziel vor Augen können wir künstliche Intelligenz so nutzen, dass sie uns auf dem Weg dorthin hilft“, sagt Barbara Wege von der Audi Trendkommunikation.

Andreas Meinheit: Genau, denn Zukunft, in die wir gehen, fällt ja nicht vom Himmel. Sie ist das Ergebnis des menschlichen Handelns. Trendforscher analysieren dieses Handeln und leiten die möglichen Folgen für die Zukunft daraus ab.

Was genau ist die Aufgabe der Trend- und Zukunftsforschung bei Audi?

Andreas Meinheit: Wir arbeiten heute schon an Modellen, die 2023 auf den Markt kommen und die wir zum Beispiel bis zum Jahr 2030 verkaufen wollen. Das heißt, wir müssen uns jetzt ein Bild davon machen, was unsere Kunden in zehn oder zwölf Jahren von einem Auto erwarten.

Das heißt, du weißt schon heute, was sich unsere Kunden 2030 wünschen?

Andreas Meinheit: Diese Frage können wir heute nicht seriös beantworten. Wir können aber das Umfeld definieren, in dem die Menschen 2030 leben werden. Dafür entwickeln wir gemeinsam mit Strategieteams aus verschiedenen Geschäftsbereichen ein allgemeines Zukunftsbild, das Faktoren wie beispielsweise das Einkommen, die wichtigsten Märkte und neue Antriebsstränge beinhaltet.

„Wir geben den Fahrzeugentwicklern und Designern faktenbasierte 

Ideen und Zukunftsbilder an die Hand,  mit deren Hilfe sie dann Autos entwickeln.

Andreas Meinheit, Trendforscher bei Audi

Daraus abzuleiten, welche Bedürfnisse die Kunden an ein Fahrzeug haben werden, das ist dann unsere Aufgabe. So geben wir den Fahrzeugentwicklern und Designern faktenbasierte Ideen und Zukunftsbilder an die Hand, mit deren Hilfe sie dann Autos entwickeln, die aus heutiger Sicht unerwartet sind – und mit denen wir in Zukunft erfolgreich sein können.

Und zu diesen Trends kommuniziert ihr, Barbara?

Barbara Wege: Ja, und unser spezifischer Ansatz ist es, die Zukunft mitzugestalten, indem wir neue Erkenntnisse liefern und Diskurse vorantreiben. Darum geht es zum Beispiel bei unserem Projekt 25. Stunde und bei der beyond Initiative.

Worum dreht sich die beyond Initiative?

Barbara Wege: Die beyond Initiative beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz. KI verändert unsere Mobilität, unsere Arbeitswelt und unser gesamtes Leben. Neben der Zukunft der Arbeitswelt ist eines unserer Kernthemen das autonome Fahren. Hier spielt KI eine Schlüsselrolle. Das autonome Fahren wird unsere Gesellschaft voranbringen, weil es verspricht, den Verkehr auf unseren Straßen deutlich sicherer zu machen.

Audi Trendforscher über die Zukunft

Ethische und rechtliche Herausforderungen liegen im Fokus der beyond Initiative: Wer zum Beispiel haftet im Umgang mit unvermeidbaren Unfallsituationen? Auf die sogenannten „Dilemma-Situationen“ versuchen die Forscher Antworten zu finden.

Gleichzeitig bringt es ethische und rechtliche Herausforderungen mit sich, zum Beispiel bei der Haftung oder im Umgang mit unvermeidbaren Unfallsituationen, den sogenannten „Dilemma-Situationen“. Um diese Fragen zu bearbeiten, haben wir in den vergangenen zwei Jahren ein internationales und interdisziplinäres Expertennetzwerk aufgebaut. Dort treffen zum Beispiel Software-Ingenieure auf Philosophen und Juristen auf Psychologen.

Warum startet gerade Audi eine solche Initiative?

Barbara Wege: Wir sind überzeugt, dass wir als Gesellschaft darüber entscheiden sollten, wie wir mit neuen Technologien so umgehen, dass es zu unserem Wohl ist. Hier sollten Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammenspielen.

Wie arbeitet ihr in euren Projekten?

Barbara Wege: Wir bringen internationale KI-Vordenker gezielt mit unseren Experten bei Audi zusammen, zum Beispiel in Workshops. Wir lernen dabei von den Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen und bringen natürlich auch selbst viel ein, zum Beispiel technisches Know-How. Gerade weil die Veränderungen, die mit KI einhergehen, substanziell sind und alle Lebensbereiche betreffen, vernetzen wir uns interdisziplinär.

Audi Trendforscher über die Zukunft

Die Initiative beyond vernetzt internationale Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft und treibt den Diskurs zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von KI voran.

Andreas Meinheit: Da wir ja keine Daten aus der Zukunft haben, arbeiten wir sehr viel qualitativ, heuristisch. Da ist natürlich zentral, mit wem man spricht, Stichwort Trendreceiver. Im Rahmen unserer Projekte kommen vierzig bis fünfzig Trendreceiver aus unterschiedlichen Weltregionen zusammen. Wenn man deren Aussagen nebeneinander legt, ergibt sich auf einmal ein Bild aus Gedanken, Gefühlen und Erwartungen, die alle teilen.

Audi Trendforscher über die Zukunft

„Als Trendforscher habe ich eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie ich in zehn Jahren leben möchte. Im Grünen. Ohne eigenes Auto und ohne festes Büro“, sagt Trendforscher Andreas Meinheit.

Die Themen ergänzen wir natürlich durch quantitative Ansätze, zum Beispiel Prognosen über das Wirtschaftswachstum, die Bevölkerungsentwicklung und die zunehmende digitale Vernetzung. Aus beiden Aspekten, den Aussagen der Trendreceiver und den Prognosen, entwickeln wir Ideen und Bilder über die Lebenswelten in der Zukunft.

Inwieweit beeinflussen eure Ergebnisse, wie ein Audi in zehn Jahren aussieht?

Andreas Meinheit: Wir liefern zumindest entscheidende Hinweise darauf, was im Auto der Zukunft vorhanden sein sollte. Gleichzeitig stoßen wir hier an die Grenzen der Trendforschung, denn wir können nicht prognostizieren, wie viel man damit konkret verdienen wird. Beispiel Urbanisierung: Unsere Forschung zeigt, dass viele Menschen Autos in Zukunft nicht mehr besitzen, aber dennoch nutzen möchten.

Audi Trendforscher über die Zukunft

Regelmäßig teilt Andreas Meinheit auf internen Konferenzen die neusten Ergebnisse der Trend- und Zukunftsforschung mit seinen Kollegen bei Audi.

Das heißt, unsere Autos müssen accessfähig sein und sich dem Bedarf der Kunden anpassen lassen. Hier beginnt dann das unternehmerische Risiko, zu sagen „Wir glauben an diesen Trend, deshalb investieren wir hier und setzen zum Beispiel auf das Vermarkungsmodell functions-on-demand.“

Was sind besonders kuriose Themen oder Fakten, die dein Team schon aufgespürt hat?

Andreas Meinheit: Mit unseren Audi Innovation Research Teams in Peking und San Francisco haben wir sozusagen Außenposten, die uns helfen, konkrete Zukunftsbilder für unsere verschiedenen Märkte zu entwickeln. Erstaunt hat mich gerade wieder eine Umfrage aus China. Alle Studenten, die wir in Megacities wie Peking oder Shanghai befragt haben sagen, dass sie in grünen Städten leben möchten. Weil sie wieder zu Fuß gehen und sich erholen wollen. Dafür muss sich der Verkehr auch dort radikal ändern.

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Bei Workshops der beyond initiative zu den ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Aspekten des autonomen Fahrens treffen Software-Ingenieure auf Philosophen und Psychologen auf Juristen (im Bild: Jean-Françoise Bonnefon, Université de Toulouse).

Barbara Wege: Besonders beeindruckt haben mich die Begegnungen mit dem Cyborg Neil Harbisson und dem Roboter Sophia. Sophia ist ein humanoider Roboter mit einer extrem menschenähnlichen Mimik. David Hanson vom Start-Up Hanson in Hong Kong hat sie nach dem Vorbild von Audrey Hepburn und seiner Ehefrau geformt. Er war früher Maskenbildner bei Walt Disney.

Sophia hat übrigens keine Haare, sondern einen Hinterkopf aus Glas, durch den man ihre Verkabelung sieht. Es ist faszinierend, an sich selbst zu beobachten, dass man Sophia sympathisch findet, manch anderen Roboter aber nicht. Das wirft die Frage auf, welche Eigenschaften ein Roboter oder eine künstliche Intelligenz haben müssen, damit wir ihr vertrauen, und welche Rolle dabei ein menschenähnliches Aussehen und Wesen spielen.

Und was macht Neil Harbisson zum Cyborg?

Barbara Wege: Er hat eine Kamera in die Schläfe implantiert, die Farben in akustische Signale umsetzt, da er selbst farbenblind ist. Er steht damit für die Philosophie des Human Enhancement. Der Mensch wächst dank Technologie über sich hinaus. Solche Begegnungen erweitern das eigene Denken. Wenn ich solche Menschen treffe und mich für ihre Perspektive öffne, dann werde ich die Welt am nächsten Tag wieder ein wenig anders sehen.

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Quelle: Audi Blog

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